Stück

Das Stück

je:damaun - Der Weinviertler Jedermann
Texte/Idee: Roman Beisser
Musik: Hubert Koci
nach einem Theaterstück von Hugo von Hofmannsthal

Roman Beisser:
Von 2006 bis 2011 war ich Intendant des Vereines Gstettenbühne Poysdorf, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur in Poysdorf (POYDIUM). In diese Zeit fiel auch die erste Je:damaun-Aufführungsserie im Jahr 2007. 2008 haben wir den großen Erfolg des Vorjahres sogar noch übertroffen. Im Jahr der Landesausstellung ist es jetzt wieder so weit. Der Weinviertler Jedermann gelangt in neuer Inszenierung, mit einigen neuen Liedern, geschärften Dialogen, neuen Kostümen, neuer Bühne und vor allem vielen neuen DarstellerInnen (ausschließlich aus dem Weinviertel), allen voran Martin Berger als Je:damaun, im tollen Ambiente des Reichensteinhofes in Poysdorf zur Wieder-Aufführung. Musik-Theater unmittelbar am Publikum. Ein besseres und direkteres Theater-Erlebnis ist nirgends sonst möglich. Mit der Bearbeitung des „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal wollte ich etwas Neues schaffen, das es in dieser Ausprägung noch nicht gegeben hat und das genau hierher ins Weinviertel passt. Das zeitlose Thema handelt vom Leben und dem damit verbundenen Tod.
Es geht um Freundschaft, Liebe, Mitgefühl, Geld, Macht und Glauben.
Nur was davon ist wahr? Und vor allem, was davon ist wirklich wichtig? Und erkennen wir das rechtzeitig?      
Die Original-Vorlage wurde von mir in die Gegenwart und ins Weinviertel verlegt, die Figuren des Je:damaun sprechen je nach Charakter im Dialekt, der Weinviertler Mundart und hochdeutsch, denn die Sprache verstärkt den Charakter. Aber die wahre Herausforderung für die SchauspielerInnen sollte es werden, das Stück nicht nur zu spielen sondern auch zu singen, so habe ich aus vielen Passagen der umgeschriebenen Dialoge Liedtexte geformt, welche immer die Handlung vorantreiben.
Für die Vertonung konnte ich den hervorragenden Musiker und Komponisten Hubert Koci gewinnen, mit dem es eine besondere Freude ist zusammen zu arbeiten.
Ein herzliches Dankeschön allen an der Produktion Beteiligten. Ich bin stolz, euch alle dabei haben zu dürfen!  

Hubert Koci:
Als mich Roman Beisser fragte, ob ich Lust hätte den „Jedermann" zu vertonen, ging es mir vielleicht so ähnlich wie manchen von Ihnen. Ich wusste zwar, dass es den Jedermann gibt und er jedes Jahr in Salzburg gespielt wird, aber das eigentliche Stück kannte ich nicht wirklich, bzw. nur ausschnittsweise. Nachdem ich mich aber damit beschäftigt und mich mit Roman zu einer Besprechung getroffen hatte, fand ich die Aufgabe sehr reizvoll und spannend. Vor allem die Tatsache freute mich, dass die Aufführungen mit Weinviertler DarstellerInnen - und ich darf auch sagen, Freunden - stattfinden sollten. Als wir dann den Reichensteinhof mit seinem herrlichen Ambiente als Aufführungsort festgelegt hatten, war mir auch klar, wie ich die Musik bzw. die musikalische Umsetzung anlegen würde und dass der Saal gemeinsam mit Klavier, Gitarre, Cello und Geigen die Mystik dieses Stückes und die Grundstimmung der Lieder sehr gut transportieren würde.
Die Arbeit an der Komposition war eine große und interessante Herausforderung für mich, da ich natürlich schon beim Schreiben an die Besetzung in kammermusikalischer Instrumentation denken musste. Um mich ganz auf den Text und die Melodie konzentrieren zu können, habe ich dieses Stück „traditionell" - das heißt mit Klavier, Notenpapier und Bleistift - komponiert.
Da das Theaterstück voller Symbolik und Allegorien ist, wollte ich das auch in die Musik einfließen lassen. So singt Jedermann beim „Weinwalzer" die Töne D - A - C, (DAC - Districtus Austriae Controllatus) oder der Tod hat
das Thema D - E - C - ES (décès, frz. Tod) und D - E - A - D (dead, engl. tot). Der Teufel singt im Intervall Tritonus (drei Ganztöne - auch Teufelsintervall genannt). Gott und der Teufel haben das gleiche musikalische Thema. Das Symbol der Trauer wird durch die absteigende Sekund ausgedrückt („ Gebet" ). So sind auch musikalische Wiederholungen personen- bzw. themenbezogen. Man hört zum Beispiel das „Abschiedsthema", wenn Jedermann seine Mutter im Stich lässt, aber auch, wenn er von seinem besten Freund Abschied nehmen muss. Das musikalische Thema, wenn Jedermann sich über den Schuldknecht lustig macht, wiederholt sich, wenn sich Jedermanns Vettern über ihn lustig machen. Was bedeutet: Alles im Leben kommt einmal zurück ...
Vielleicht hören Sie ja noch die eine oder andere Symbolik.
Gute Unterhaltung beim Weinviertler Jedermann.